Gurgeln ist ein Ausweg

CORONA Die Grundschule in Dörfles-Esbach nimmt an Modellstudie Wicovir teil. Das Testverfahren gilt als Chance für die dauerhafte Rückkehr zum Präsenzunterricht.

Dörfles-Esbach — Eine Gruppe Kinder aus der 3c kommt mit ihrer Lehrerin, Konrektorin Katharina Josten, zum Sekretariat der Emil-Fischer Grundschule. Sie haben „ihren“ Eimer dabei. Dass sie an der Tür von Gestalten in Schutzanzügen empfangen werden, macht ihnen keine Angst. Sie wissen ja, dass es die Mitarbeiterinnen der Verwaltung sind, denen sie in ihrem Eimer die Proben bringen, mit denen sie an einem Projekt teilnehmen, das helfen soll, ihren Schulalltag wieder etwas normaler werden zu lassen. Die Schule nimmt auch mit den Lehrkräften an der Modellstudie Wicovir teil.

Die Abkürzung steht für „Wo ist das Corona Virus?“ Sie wurde von dem Regensburger Medizinprofessor Michael Kabesch ins Leben gerufen. Vor allem an den Schulen wird darin eine Chance auf dem Weg zurück zu mehr Normalität gesehen. „Als ich von der Studie gehört habe, war ich sofort begeistert und wollte unsere Schule teilnehmen lassen“, sagt Rektorin Kristin Jahn. „Wir können nicht mehr so weiter machen, mit ganzen Klassen, die in Quarantäne geschickt werden, Schulschließungen und all den negativen Folgen“, pflichtet ihr Konrektorin Katharina Josten bei.

Für beide ist bei diesem Verfahren wichtig, dass es hohe Akzeptanz bei Eltern und Kindern findet. „Das Gurgeln ist für die Kinder viel weniger unangenehm als die Tests bei denen ein Abstrich aus dem Nasen und Rachenraum genommen wird“, betont Katharina Josten. Sie müssen einfach zu Hause mit Leitungswasser gurgeln und eine Probe des Wassers in der Schule abgeben.

Das Testen erfolgt dabei in zwei Schritten: Zunächst wird in einem Pool getestet, das können bis zu 30 Kinder aus einer Klasse sein. Fällt der Test negativ aus, wird beruhigt weiter gelernt. Gibt es eventuell ein positives Ergebnis im Pool, findet innerhalb dieser Gruppe eine Einzeltestung mit Rückstellproben statt, um die notwendigen Maßnahmen einzuleiten. Entscheidend ist dabei der Zeitfaktor. Dabei unterstützt die Feuerwehr Dörfles-Esbach. Florian Schwandner übernimmt die Proben und fährt sie zur Uni Erlangen. Mittags liegen Ergebnisse vor.

Schnelligkeit als Vorteil

„Damit umgehen wir die langen Wartezeiten der Labore“, erklärt Michael Kabesch. „Außerdem vermeiden wir so Infektionsketten, die vor allem durch symptomfrei Infizierte innerhalb der Klassen entstehen könnten.“

Wenn die Proben aus der Emil-Fischer Grundschule an der Uni Erlangen ankommen, führt das Forschungsteam um Dr. Andreas Burkovski, Professor für Mikrobiologie, die Pooltests durch. „Wir hoffen auf diese Weise, Schulen eine gute Perspektive für die kommenden Wochen und Monate bieten zu können“, sagt er, betont aber auch: „Selbstverständlich lösen solche Tests die bisherigen Hygienemaßnahmen wie Abstand und Masken keineswegs ab, sondern sind eine zusätzliche Möglichkeit, Unterricht vor Ort sicherer zu gestalten.“

Elternbeiratsvorsitzender Sascha Schmidt weiß, wie wichtig eine schnelle Rückkehr zu mehr Normalität und einem geregelten Präsenzunterricht ist. „Viele Eltern sind mit ihrer Geduld am Ende“, berichtet er, spricht von Reizbarkeit und Frustration, die um sich greifen. Daher steht auch der Elternbeirat voll hinter der Teilnahme an der Studie.

Doch ein Modellprojekt ist Schulleiterin Kristin Jahn zu wenig. Sie ist so von den Gurgeltests überzeugt, dass sie diese möglichst rasch in der Fläche eingesetzt sehen möchte. „Wir müssen Strukturen schaffen, dass wir alle Schulen einbeziehen können“, sagt sie. Daher hat sie Landrat Sebastian Straubel (CSU) in die Schule eingeladen, um ihn für das Regensburger Modell zu begeistern.

Kann der Landkreis Strukturen schaffen?

„Ich sehe die Vorteile, die solche Tests bieten“, sagt Sebastian Straubel. Die Modellstudie wird vom Gesundheitsministerium auch finanziell unterstützt. Wie es aber nach dem Modellprojekt weiter geht und welche Strukturen im Landkreis und der Stadt Coburg genutzt werden könnten, um die Gurgeltests zur Regel werden zu lassen, das muss nun geprüft werden. Dass die Zeit drängt, ist auch dem Landrat klar, denn letztlich sollen diese Testreihen ja eine Lösung für einen Übergang darstellen, der zurück in einen normalen Schulalltag führt.

Die hohe Akzeptanz, die sie für die Teilnahme an den Tests wahrnimmt, führt Kristin Jahn auch darauf zurück, dass dadurch Eltern und Schülern das Gefühl gegeben wird, endlich selbst aktiv etwas tun zu können, um einen Zustand zu beenden, der vielen inzwischen als unhaltbar erscheint. Sie berichtet von einem Mädchen aus der Zweiten Klasse, die ihre Probe mit den Worten abgab: „Ich bin froh, dass ich endlich auch etwas tun kann, damit dieses Virus verschwindet.“

Neben Tests wäre ein schneller Fortschritt bei den Impfungen ein Weg zurück zur Normalität. Dass Lehrer in der Reihenfolge vorgezogen werden, könnte ebenfalls helfen, den Schulalltag zu normalisieren. Das ist bisher nicht vorgesehen. Allerdings richtet sich große Hoffnung auf den Impfstart in den Hausarztpraxen – auch wenn den Lehrern klar ist, dass dafür auch genug Impfstoff vorhanden sein muss.

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